Ich höre den Herzschlag von Mutter Erde, er dringt ganz tief in mich ein. Es fühlt sich an, als ginge jede meiner Zellen in Resonanz mit dem tiefen und angenehmen Ton meiner anmutigen Handtrommel. Mein Herzschlag gleicht sich an. Tangtong, tangtong immer weiter tangtong…

Ich bin im Wald, es ist noch kühl, aber Mutter Natur hat schon damit begonnen ihren Atem, das Lebens neu einzuhauchen und ihre Schöpferkraft fließen zu lassen.

Ich spüre ihr Herz und mein Herz verbunden im gleichen Schlag der Trommel.

„Ich spüre dich“, denke ich und atme tief. Die Waldluft ist frisch und gleichzeitig erdig und schwer. Gegen diese Bodenständigkeit müssen alle Alltagsgedanken weichen. Die Kraft ist so stabil, dass jeder meiner alltäglichen Konflikte davor verblassen muss. Die Sorgen lösen sich erstmals, ob sie wieder kehren spielt jetzt gerade keine Rolle. Ich atme… tangtong, tangtong… und trommle ohne Unterlass.

Schweigsam öffne ich mich immer mehr der Neugeburt des Waldes, ich spüre den Kreislauf und verbinde mich ganz achtsam, zart aber bewusst mit allem was ist. Zuerst mit jedem Geräusch, jedem Geruch, jedem Baum und jedem Busch an dem ich vorbei komme, mit dem Untergrund des Waldes und dann weit aus dem Wald hinaus und zugleich tief ins Innere der Erde hinein. Ich weiß, dass ich immer, mit dieser Energie verbunden bin, das kann der Mensch nicht trennen, das ist die Essenz des Ewigen Seins. Ein unendlich altes Bewusstsein, ein spürbares Wissen, das nicht in Büchern nachzuschlagen ist. Diese Essenz ist einfach da und wir sind/alles ist immer darin verbunden, auch, wenn es uns nicht mehr Bewusst ist. Wer Augen hat der sehe. Aber mit welchen Augen?

Vieles wurde aus unserem Bewusstsein bereits ausradiert. Zu viel davon ist vielleicht schon verloren. Ich Trommle weiter, hier kann ich Antworten finden, hier kann ich mich finden, meinen Kern, meine Schöpferkraft, meinen Ursprung im Kreislauf des Werdens und Vergehens, es liegt direkt vor mir. Verbunden mit dem Ewigen Sein, zusammen mit Mutter Natur, geschützt und aufgehoben im Wurzelwunder des Waldes, der majestätisch und kraftvoll seinen Körper in Richtung Unendlichkeit empor streckt. Ein sich selbst organisierender, atmender, Jahrhunderte alter und beständiger Organismus. Ich stelle mir vor, wie die Bäume im Wurzelwerk flüstern. Ein Spruch schießt mir in den Kopf. „There is no WIFI in the forest, but I promise you will get a better connection“. Ich muss schmunzeln, ja mein Hirn, mein Ego muss eben auch wieder etwas dazu fügen, es kann nicht einfach mal still sein. Ich gehe einfach weiter und fühle mich als Beobachter dieser Gedanken und ja, ich könnte das hier nicht mit euch teilen, wenn es nicht so wäre wie es nun mal ist.

Weiter trommelnd gehe ich dankbar bis zum Waldrand. Von dort nehme ich die Verbundenheit noch mit, zumindest so lange, so lange ich das Bewusstsein aufrecht halten kann. Ich weiß, früher oder später wird mich die schnelle Welt wieder einholen und ich werde wieder in Vergessenheit geraten.

Doch ich komme wieder, immer wieder… das ist mir bewusst.

Kassandra

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